66 Wesen leben in den hundert Geschichten – vom Kaninchen, das
auffallen möchte, bis zum Nebeldrachen, der eine Höhle öffnet. Hier stellen sie
sich vor, und bei jedem steht, in welchen Bänden es vorkommt. Ein Klick führt
direkt zur Geschichte.
Feenprinzessin
Elena
Die Feenprinzessin vom Apfelbaumschloss. Goldblonde Locken, grüne Augen, eine Krone aus Ranken mit drei Blüten – und ihr Zauberstab Balduin. Elena hört genau hin: Sie erfüllt nicht jeden Wunsch, sondern findet heraus, was jemand wirklich braucht.
Elenas bester Freund. Auf seinem Rucksack trägt er ein großes Blatt, das den Regen auffängt, darunter klimpern kleine Fläschchen. Günther erfindet ständig etwas Neues – und gibt her, was er gesammelt hat, wenn jemand es braucht.
Heller Stab mit dem Rosé-Kristall. Seine Kraft kommt aus den drei Blüten der Krone. Er bleibt dunkel, solange das echte Bedürfnis nicht erkannt ist – das sichtbare Zeichen für jedes Kind.
Die Königin kennt jeden Bewohner des Waldes beim Namen, auch die allerkleinsten. Warm, aufmerksam und unbestechlich – sie verrät nie die Antwort, sie stellt die richtige Frage.
Uralter Elf, kleiner als Günther, in einem bodenlangen graubraunen Mantel mit hunderten eingenähten Taschen in allen Größen. Aus manchen schauen Zettelecken. Runder Rücken, kleine Brille, immer freundlich, nie eilig. Er verwahrt jede Abmachung, die im Zauberreich je getroffen wurde.
Der König trägt eine Krone aus Blüten, Ranken und Zweigen. Er hebt beim Sprechen nie die Stimme und antwortet am liebsten mit einer Gegenfrage. Er löst keine Probleme für Elena – er fragt sie, was sie gesehen hat.
Eine von Elenas drei Freundinnen. Rund und weich, mit honiggoldenem Haar und Flügeln wie kleine Sonnen. Wo sie landet, trocknet der Boden – und niemand im Wald umarmt besser.
Amanors Tante. Kleine runde Fee, weißes Haar zu einem festen Knoten, wache helle Augen, Lachfalten. Praktische Kleidung in Erdtönen, Imkerhut meist in der Hand, nicht auf dem Kopf. Wohnt im schiefen Turm bei vierzig Bienenkörben.
Zart und vorsichtig, mit tiefschwarzem Haar und gläsernen Libellenflügeln. Auf ihrer Handfläche trägt sie immer einen Tautropfen – und verschüttet ihn nie.
Klein und drahtig, Sommersprossen und wildes kupferrotes Haar, das sich sogar ohne Wind bewegt. Wenda steht niemals still und ist immer die Erste, die etwas entdeckt.
Eine große Libelle mit Flügeln wie aus Glas – sie kann als Einzige reglos in der Luft stehen. Die Wächterin des Silberbachs: Wenn am Wasser etwas nicht stimmt, holt sie Elena. Und sie redet nie um den heißen Brei.
Sie leben im Zauberreich, und jedes hat seine eigene Geschichte.
Die Tiere des Waldes
Der Fuchs im Winterfell
Normales Tier
Ein junger Rotfuchs mit viel zu dickem, zerzaustem Winterfell mitten im Sommer. Die Elstern lachten ihn aus – aber nur Sunna und Elena fragten nach dem Grund. Und der Grund war gut.
Der alte Bär von der Quellgrotte. Fünfzig Jahre lang hat er jeden Morgen das Wasser für alle Tiere geholt. Er wünschte sich, wieder jung zu sein – und bekam etwas Besseres: eine neue Aufgabe.
Die Amsel, die noch nie gesungen hat. Sie sitzt mit schräg gelegtem Kopf und lauscht – denn Mila ist die beste Zuhörerin des ganzen Waldes. Und Zuhören zählt genauso viel wie Singen.
Die rosa Glitzerfrösche von den Glitzerseen: fröhlich, laut, reden alle durcheinander – das Publikum des Waldes. Einer von ihnen kann nicht quaken, sondern pfeift wie fallende Tropfen.
Der kleine rosabraune Wurm aus der Wurzelhöhle. Er wünschte sich Flügel wie alle anderen – dabei brauchte er etwas viel Wichtigeres: einen Namen. Am Ende hat er ihn selbst gewählt: Ferdinand.
Das Kaninchen mit dem rosa Fell und den lila Sternen, die leuchten, wenn sie aufgeregt ist. Soky war die Erste, der Elena geholfen hat – und wird selbst zur Helferin, die andere zu Elena bringt.
Samtgraues Fell, rosa Grabschaufeln und immer etwas Erde auf der Nase. Er kannte seine Nachbarn nicht – „Ich grabe unten, sie laufen oben“ – bis ein zu schwerer Stein alle zusammenbrachte.
Winzig wie ein Tannenzapfen, mit kurzen weichen Stacheln und großen dunklen Augen. Mutig im Herzen, aber oft übersehen – er wünschte sich lange Stacheln, dabei wollte er nur mitgenommen werden.
Die einzige Schnecke, die mit dem Häuschen voran kriecht – rückwärts. Sie hielt sich für falsch. Aber sie ist die Einzige, die je gesehen hat, wo alle herkommen – und fand so das verlorene Schneckenkind Minchen.
Der Buntspecht aus dem Glockenhain klopfte immer lauter, weil ihm nie jemand zuhörte. Sein Wunsch: einmal gehört werden. Was er lernte: Wer gehört werden will, muss auch selbst zuhören.
Wesen, die es nur hier gibt – und die immer dann auftauchen, wenn jemand sie wirklich braucht.
Die Fabelwesen
Die Pilzringgeister
Fabelwesen
Ein Kreis aus rotkappigen Pilzen, unter deren Hüten Augenpaare hervorblitzen. Sie zeigen sich nie ganz und sprechen nur im Reim: „Gleich viel ist nicht gleich gut, gerecht ist, was satt machen tut!“
Kaninchengroße Wanderwesen mit weichem sandfarbenem Fell und großen dunklen Augen. Auf dem Rücken tragen sie ihr Haus: ein rundes Schneckenhaus aus dickem Filz in gedeckten Farben, das man überall aufstellen und nirgends festmachen kann. Sie sind höflich bis zur Unmöglichkeit, sagen zu allem Ja und bitten nie um etwas.
Ein kleiner Drache, nicht größer als ein Hund, ganz aus weichem grauem Nebel. Wenn er sich schämt, wird er durchsichtig. Sein Nebel findet jede Ritze im Fels – so half er, die verschüttete Höhle zu öffnen.
Sehr großes, rundes, weiches Wesen mit Fell wie dickes Moos, freundliches Gesicht, sehr geduldige Augen. Bewegt sich extrem langsam. Größer als der Waldträger.
Das Einhorn mit der silbernen Mähne und der funkelnden Staubspur. Stolz und schnell – und sie musste selbst einmal lernen, dass um Hilfe bitten keine Schwäche ist. Seitdem kommt sie immer, wenn Elena sie ruft.
Ein Rehkitz mit zwei blassorangen Schmetterlingsflügeln auf dem Rücken – noch zu klein zum Fliegen. Noch! Zutraulich, ungeduldig, und es will schon alles können, was es noch nicht kann.
Kleine runde Wollwesen, faustgroß, in Grau, Beige und Moosgrün, jedes mit einer winzigen gefalteten Decke unterm Arm. Sie setzen sich neben jeden, der warten muss, und tun sonst nichts. Je länger das Warten dauert, desto mehr werden es.
Eine Gestalt aus Wurzelholz, Moos und Rinde, kaum vom Baum zu unterscheiden. Uralt, langsam und freundlich – er kennt jeden Namen, den der Wald je gehört hat.
Fünf Kröten mit goldenem Schimmer und blauen Kehlen. Jede kann genau einen Ton singen – erst zusammen wird daraus eine Melodie. Und sie singen nur nachts, im Sternenlicht.
Fingerhoch, rote Zipfelmütze, winziges Notizbuch und ein Bleistiftstummel. Sitzt auf der Bettkante, Beine baumelnd, den Rücken zum Schlafenden. Seit vierhundert Jahren trägt er morgens dasselbe Wort ein: nichts.
Vier flinke Eichhörnchen mit Schweifen aus goldenem Glühwürmchenlicht. Je neugieriger sie sind, desto heller leuchtet der Schweif – und neugierig sind sie eigentlich immer.
Ein Hase mit einem kleinen, verzweigten Geweih, in dem immer etwas hängt – ein Blatt, ein roter Faden. Unsicher und sehr freundlich; er entschuldigt sich sogar für sein Geweih.
Viele kleine Mäuse mit cremeweißer Schafwolle und rosa Ohren. Einzeln sind sie ängstlich – aber wenn es ernst wird, kugeln sie sich zu einem einzigen großen Wollknäuel zusammen: gemeinsam mutig.
Schmales hohes Granitwesen, in der Mitte zwischen zwei Waldstücken gewachsen. Linke Hälfte dick bemoost, rechte kahl und hell. Augen und ein schmaler Mund im Stein zu erahnen. Ein feiner Riss läuft übers Gesicht.
Wesen aus lauter einzelnen grauen Nebelfetzen, die umeinander kreisen. Kein festes Gesicht. Jeder Fetzen flüstert eine Ausrede. Anfangs mannshoch, am Ende apfelgroß.
Sehr alter, gebeugter Mann aus Stein und getrocknetem Ton. Hände voller feiner heller Narben, so viele, dass sie ein Muster ergeben. Arbeitet immer sitzend.
Große, weiche Gestalt in einem bodenlangen dunkelblauen Samtmantel voller silberner Sprenkel. Rundes freundliches Gesicht, keine sichtbaren Füße — der Mantel geht in die Dämmerung über. Sie breitet ihn jeden Abend über das Land. Dass Kinder sich vor ihr fürchten, kränkt sie.
Mädchen aus Mondlicht, etwa Elenas Größe, halbtransparent, mit einem geflochtenen Weidenkorb am Arm. Sie pflückt jeden Abend die Sterne, putzt sie am Ärmel blank und hängt sie zurück. In ihrem Korb bleibt immer einer übrig.
Rundlicher Mann mit Schürze voll Mehl und einem Bart aus Dampf. Er backt die Wolken: dicke weiße zum Draufliegen, dünne zum Verstecken. Brennt eine an, gibt es Gewitter, und das ist ihm furchtbar peinlich.
Schmaler aschgrauer Vogel mit einem viel zu vollen Schnabel. Was er trägt, sind gegebene Worte — sichtbar als kleine gefaltete Zettel, Bänder und Halme. Manche trägt er seit vierzig Jahren, und dann kann er kaum noch fliegen.
Zwei, immer zusammen darzustellen. Der Warme: rund, träge, Haar aus Löwenzahnflocken, Körper aus flimmernder warmer Luft. Der Kalte: schmal, schnell, Haar aus feinen Eisnadeln, Körper aus klarer kalter Luft.
Gewitterwolke mit Gesicht. Dunkel, zottig, dicke Brauen, brummiger Mund, winzige Blitze an den Rändern. Nach G45 katzengroß mit einem hellen Blitzchen auf der Stirn; davor ochsengroß.
Kleine kugelige Wesen, über und über mit Widerhaken bedeckt, sehr große Augen, kein Mund. Nach G54 sind die Haken weich (optisch: leicht gebogen statt spitz).
Kissengroßes Fellstück, katzenweich, warmes Graubraun mit hellerem Bauch. Kein Kopf, keine Pfoten, keine Augen — nur ein Fell, das schnurrt. Legt sich auf jeden, der weint, und wird dabei warm.
Hausgroß, aber ganz aus grauem Rauch — man sieht Sterne durch ihn hindurch. Runde weiche Ohren, kleine freundliche Augen, ein langer Rüssel. Er saugt böse Träume auf und pustet gute zurück. Er ist schüchtern, weil alle vor seiner Größe erschrecken.
Marienkäfer, groß wie ein Apfel, glänzend rot. Seine Punkte verschieben sich — jeder Punkt ist ein Glück, das er noch nicht verschenkt hat. In G68 hat er noch drei, in G100 gibt er sie her.
Große weiße Blüte auf hohem Stiel, Blütenboden spiegelnd wie stilles Wasser. Wer hineinschaut, sieht nicht sich selbst, sondern den, der er gern wäre. Sie meint es gut und versteht nicht, warum alle traurig weggehen.
Silberweiße Kuh mit Blüten im Fell und Augen wie dunkle Teiche. Ihre Milch leuchtet; wer davon trinkt, träumt gut. Dafür grast sie jede Nacht den ganzen Himmel ab.
Fingerhohe Wesen mit runden Bäuchen und klebrigen Händen, in Rosalindes vierzig Körben zu Hause. An ihnen bleibt jede Flunkerei kleben wie Honig — sichtbar als goldener Faden.
Schillernde Seifenblasen in Faustgröße. In jeder schwebt eine kleine Flunkerei als zarte Schrift, die man nicht lesen kann. Platzt eine, hört man den Satz noch einmal in der eigenen Stimme.
Fohlen aus Sternenlicht, ponygroß, Umriss aus einzelnen hellen Punkten, dazwischen Nachthimmel. Tapsige Beine. Es muss oben stillstehen, während unten die echten Fohlen rennen.
Riesiger Wal aus Nachtluft, der lautlos über dem Zauberreich schwimmt — so groß, dass er nie ganz ins Bild passt. Dunkelblau mit hellen Bauchfurchen wie Wolkenbänder. Er singt einmal in hundert Jahren.
Zwei Findlinge auf einer Wiese, mannshoch, seit der Eiszeit nebeneinander. Auf der einen wächst dickes Moos, auf der anderen helle Flechten. In beiden ein angedeutetes Gesicht, beide leicht voneinander weggeneigt. Sie haben dreihundert Jahre kein Wort gewechselt, und keine weiß noch, warum.
Das älteste Wesen des Zauberreichs, unter dem Apfelbaumschloss. Ein Gesicht aus Wurzelholz, so groß wie ein Tor, halb im Erdreich. Ruhige geschlossene Lider, tiefe Furchen. Seine Wurzeln reichen in jedes Tal — er spürt alles und hat noch nie etwas getan.
Klein und uralt, in einem verblichenen Kleid, das einmal prächtig war. Weißes Haar, sehr wache Augen. Keine Krone, kein Zauberstab. Auf ihrer Stirn eine feine helle Linie dort, wo die Krone saß.
Eine kleine Flamme, nicht größer als ein Daumen, warm goldorange, ohne Docht und ohne Gefäß. Sie schwebt in der offenen Hand. Sie geht aus, wenn einer sie allein trägt — brennt also nur, wenn im Bild mehrere Hände sind.
In jedem Band kommen neue Wesen dazu –
und jedes taucht genau dann auf, wenn jemand etwas braucht, das es noch nicht
benennen kann. Wer sie alle treffen will, liest die Geschichten.